Das Weihnachten unseres Pfarrers

Wenn Weihnachten vor der Tür steht, ist das für viele die besinnlichste Zeit des Jahres. Für Pfarrer Clemens Bloedhorn bedeutet dieses Fest gleichzeitig viel Arbeit. Die ist sein Beruf und seine Berufung, ohne Stress geht es dennoch nicht. An Heilig Abend war in seinem Verantwortungsbereich an sieben Predigtstellen die Christvesper zu gestalten, in Buchholz, Elsholz, Lühsdorf, Salzbrunn und Wittbrietzen sowie in Borkheide und Borkwalde.

Die Arbeit an der Christvesper beginnt für Bloedhorn im günstigsten Fall ungefähr vier Wochen vorher. Er sieht sich den Predigttext an, der der sogenannten Perikopenordnung folgt, die in einem sechsjährigen Turnus Bibelstellen für jeden Sonntag zur Vorlesung in der Kirche festgelegt. An diesem Heiligabend ging es um die Verkündung von Jesu-Geburt nach Jesaia 9 1-6:

„Seine Herrschaft ist groß / und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; / er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, / jetzt und für alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere / wird das vollbringen.“

Der Blick auf die Krippe des Jesus führt dem Gläubigen vor Augen, „dass es einen Anker gibt, der nicht in unserer Welt begründet ist“, so Bloedhorn

Den Text für die eigene Predigt, die sich an den Bibeltext und ein Gebet anschließt, lässt der Pfarrer reifen:

„Ich versuche das, was ich in dieser Zeit erlebe, in Beziehung zum Bibeltext zu setzen.“

Pfarrer Clemens Bloedhorn
Pfarrer Clemens Bloedhorn

Sobald er das Konzept einer Predigt im Kopf, macht sich Boedhorn entsprechende Stichpunkte. Anschließend greift er zur modernen Technik. Er diktiert seinen Vortrag mit einem Spracherkennungsprogramm. Dann lässt er den Text ein, zwei Tage ruhen und schleift ihn anschließend rund. So auch an diesem Weihnachten. Laut Stellenbeschreibung hat er acht Stunden, um die Predigt vorzubereiten, und drei Stunden für die Liturgie. Praktisch gestaltet sich der Alltag etwas anders. Für die eigentliche Textarbeit müssen oft eineinhalb Stunden reichen.

Heiligabend ging es für den Pfarrer Bloedhorn um 14 Uhr in Lühsdorf los, um 15:30 Uhr folgte Wittbrietzen und um 17 Uhr Buchholz. Bis zur Mitternachtsmesse in der Waldgemeinde Borkwalde um 23 Uhr hatte er dann Zeit zum Luft holen. Die Dreiviertelstunde, die da für den einzelnen Gottesdienst blieb, erinnert Bloedhorn an einen alten Spruch:

„Man darf über alles predigen, nur nicht länger als zwanzig Minuten.“

Meist predigt er um die zehn Minuten lang. Dabei sind seine Predigten im Laufe der Zeit immer kürzer geworden. Ein Tribut an den beschleunigten Lauf der Zeit und die Geduld der Zuhörer. Wenn er jedoch einen aktuellen oder gar politischen Zug aufgreift, steigt die Aufmerksamkeit, hat der Pfarrer festgestellt.

In vier Kirchen hat er selbst predigen, an drei anderen Orten haben Lektoren eine Lesepredigt vorgetragen. Dabei können die Lektoren die Predigt des Pfarrers übernehmen, gezwungen sind sie dazu nicht. Getrud Bodach aus Borkheide, eine der Lektorinnen, gibt unumwunden zu, gelegentlich das eine oder andere abzuändern:

„Das Gesagte muss ja auch zu mir passen.“

Ob der Pfarrer oder ein Lektor predigt, ist für zehn Jahre vorgeplant, so dass alle Gemeinden gleichbehandelt werden.

Pfarrer Clemens Bloedhorn
Im Gespräch auf dem Borkheider Weihnachtsmarkt

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte auch der Pfarrer frei. Er fuhr zu seiner Familie nach Berlin. Am zweiten gestaltete er den Regionalgottesdienst, der in jedem Jahr an einem anderen Ort stattfindet. Der Regionalgottesdienst ist eine Neuerung aus dem letzten Jahr. Sie erleichtert nicht nur dem Pfarrer die Arbeit, sondern bringt auch seine Gläubigen näher zueinander. In diesem Jahr fand dieser Regionalgottesdienst um 10 Uhr in der Kirche in Elsholz statt. Während zur Christvesper viele kommen, die nur selten und mitunter nur zu diesem Anlass in die Kirche kommen, erwartete der Pfarrer am Feiertag hauptsächlich wieder die „Kerngemeinde“.

Dennoch, zu Weihnachten finden gelegentlich auch Atheisten und Agnostiker den Weg in die Kirchen. Bloedhorn kann das gut verstehen. Es ist eine Gelegenheit, über die eigene Existenz nachzudenken und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen:

„Wo sonst gibt es dazu Gelegenheit?“

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