Zwei Ärztinnen für Borkwalde

Nanett Baehring & Sabine Schröder

Zusätzliche  Sessel und Barhocker mussten ins VIKTUALIA’S getragen werden. Mehr Menschen zum Stammtisch Borkwalde, Blog und Bier wäre nicht gegangen. Die beiden Ärztinnen in unserem Ort, Sabine Schröder und Nanett Baehring, interessierten viele.

Die neue, Nanett Baehring, ist eine waschechte Thüringerin und kommt aus einer Tierarztfamilie. Der Vater heilte Pferd, Hund und Katze und auch mal der Oma ihr Bein. Sie studierte in Jena und kam 1992 als Ausbildungsassistentin nach Potsdam in die Chirurgie am Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Siebzehn Jahre arbeitete Nanett Behring im Rettungswesen und bei der Berufsfeuerwehr. Irgendwann beschloss sie, nicht den „Johannes Heesters des Rettungswesens“ geben zu wollen, begab sich auf den Jacobsweg und suchte sich eine neue Aufgabe. 2005 wurde sie Fachärztin für Anaesthesie. Außerdem wandte sie sich der Palliativmedizin zu. Im Klartext, es geht um die Linderung der Leiden bei Patienten, die nicht mehr geheilt werden können. Nanett Baehring übernahm die Leitung der entsprechenden Abteilung in Lehnin. Irgendwann entdeckte sie das benachbarte Borkwalde für sich und zog hier her.

Hier traf sie auch Sabine Schröder wieder, die sie bereits vom Ernst-von-Bergmann her kannte, wo beide eine „fröhliche Zeit“ miteinander verbracht hatten. Aus dieser Zeit teilen beide bis heute manches Hobby und viele medizinische Grundüberzeugungen. Beiden geht es um eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen, um seine psychosomatische Begleitung und um Naturheilkunde als Ergänzung zur klassischen Medizin.

Sabine Schröder

Sabine Schröder musste als Kind häufiger ins Krankenhaus und nahm sich schon damals vor, später einmal anderen zu helfen. Sie lebte als Kind mit Eltern, Großeltern und Urgroßeltern in einem Haus und bekam viel an Naturheilkunde vermittelt. Ihrer Urgroßmutter nahm sie oft mit zum Kräutersammeln. Später kam sie familiär nach Potsdam. Sie studierte in Berlin. Als sie ein Kind bekam stand für sie fest, dass sie nicht im Krankenhaus arbeiten würde, schon wegen der Schichten. Sie entschied sich für die Allgemeinmedizin. Zusätzlich zum Studium beschäftigte sie sich mit Naturheilkunde, Kräutertherapien und Akupunktur. Da es in Potsdam zu dieser Zeit keine Wohnungen gab, suchte sie auch in der Umgebung. Als die Familie bei einem Fahrradausflug durch die entstehende Schwedenhaussiedlung kam, stand die Entscheidung fest.

Sabine Schröder entschied sich für die eigene Praxis in Borkwalde, und konnte beim Aufbau des Hauses, in dem heute ihre Praxis ist, zusehen. Seit 1995 ist sie Ärztin in Borkwalde. Seit Herbst letzten Jahres wird ihre Praxis durch Nanett Baehring verstärkt, die allerdings parallel zu ihren bisherigen Ausbildungen und Erfahrungen noch die Facharztausbildung für Allgemeinmedizin absolviert. Die Behandlungen bereiten ihr keine Probleme, um so mehr aber der bürokratische Kram, um den sie sich im Krankenhaus anders kümmern musste. Welcher Zettel ist wofür? Wie verschreibt man Medikamente und Heilmittel? Wie unterscheiden sich die Kassen? Nach der Sprechstunde kommen auf Sabine Schröder oft genug noch zwei bis vier Stunden Verwaltungsarbeiten hinzu.

Nanett Baehring & Sabine Schröder

Die Praxis von Sabine Schröder fasziniert die neue Ärztin. Seit einmal zu Beginn der Sprechstunde 26 Patientinnen und Patienten vor der Tür standen spricht sie nur noch von der „Pilgerstätte Schröder“. Überhaupt die Patienten. Da sich beide Ärztinnen ausreichend Zeit für ihre „Kunden“ nehmen, müssen diese durchaus mal längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Aber selbst nach drei Stunden Wartezeit sind die meisten noch immer freundlich. Vermutlich, weil sie dafür mit ebensoviel Zeit für sich rechnen dürfen. Am meisten freuen sich die beiden Ärztinnen über mitdenkende Patienten und Patientinnen, die Verantwortung für sich selbst übernehmen. Sie wenden sich gegen das „Schumacher-Syndrom“. Bei Pannen ran an die Boxen, Reifen gewechselt und wieder rein ins Rennen. Sie sind doch Arzt, also müssen sie mich reparieren, wird nicht funktionieren.

Borkwalde verfügt ja über ein für diese Ortsgröße erstaunlich ausgebautes Gesundheitsangebot. Neben den beiden Allgemeinmedizinerinnen gibt es noch eine Zahnärztin, eine Apotheke, eine Physiotherapie, eine Heilpraktikerin und eine Hebamme. Alle arbeiten zusammen und ergänzen sich. So hat sich die Apotheke auf die Naturmedizin der Ärzte eingestellt, und hält die entsprechenden Medikamente vorrätig. Selbst die Öffnungszeiten wurden aufeinander abgestimmt.

Probleme bereitet dagegen die Diagnostik. Die Radiologie in Beelitz steht nur noch Privatpatienten zur Verfügung, was nicht allein mit dem Gewinnstreben des dortigen Arztes zu erklären ist, sondern auch mit der Abrechnungspraxis der gesetzlichen Krankenkassen. Der Arzt weiß immer erst hinterher, ob er seine Leistung auch vergütet bekommt, und oft genug bekommt er nichts. Krankenhäuser dürfen wiederum nicht ambulant behandeln. In Belzig besteht nur am Vormittag die Möglichkeit für Röntgen und Ultraschall. Hier draußen ist man in dieser Hinsicht also auf sich gestellt. Andererseits macht sich, nach Beobachtung der Ärzte, das Stadt-Land-Gefälle in Borkwalde deutlich bemerkbar, positiv bemerkbar. Wir haben Natur, wir haben mehr Ruhe, und viele hier haben einen höheren Sozialstatus. Das schlägt sich im Krank- bzw. Gesundsein nieder.

Dafür läuft die Zusammenarbeit der Ärztinnen mit der Diakonie und mit der Feuerwehr gut. Perspektivisch wäre es gut, zwei, drei Wohnungen in Borkwalde als altersgerechte Wohnungen vorzuhalten. Also mit begehbaren Duschen, mit Lichtschaltern, die erreichbar sind, mit breiteren Türen und ohne Schwellen, so dass die Wohnungen auch mit dem Rollstuhl erreichbar sind. Schließlich werden wir alle älter. Da ist es besser, sich in einer solchen Wohnung im vertrauten Ort selbst helfen zu können als vorschnell in ein Heim zu müssen.

Nanett Baehring

Gefragt nach einem aktuellen Gesundheitstipp unterbreiteten beide Ärztinnen bereitwillig Vorschläge. Nanett Baehring empfiehlt eine Woche Basenfasten, d.h., sich vorrangig bzw. ausschließlich basisch zu ernähren. Also vor allem mit Obst und Gemüse und ohne Zucker. Zucker gilt inzwischen als ein Verursacher von Krebs. Kein Fleisch. Sabine Schröder richtet unseren Blick auf unsere Umgebung. Schließlich leben wir mitten im Wald. Sie regt an, mindestens drei Mal in der Woche durch den Wald zu gehen, sich zu erden. Im Wald gibt es niedrigere Frequenzen. Wir sollten Druck von uns nehmen. Unsere Großeltern hätten mindestens genauso viel gearbeitet wie wir, aber sie haben anders gelebt. Wir leben dagegen im Hamsterrad und sind voller Ängste. Der moderne Mensch hat Angst vor der Arbeit ebenso wie Angst vor dem Verlust der Arbeit. Notwendig ist es, das innere Gleichgewicht und das Gleichgewicht zur Natur wieder herzustellen.

Beide Ärztinnen haben ein Lebensmotto. Die eine benennt es als generelle Nächstenliebe, die andere als Respekt vor dem Leben.

Mit diesem von Frank Kessler und Andreas Trunschke moderierten Einstieg war genug Gesprächsstoff für den Abend geliefert. Jede und jeder konnte Fragen und Meinungen loswerden. Erst in der vorgegebenen Runde, später in lockeren Gesprächen an den einzelnen Tischen.

 

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